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Thomas Pynchon (Sprache & Litteratur).

Publié le 12/06/2013

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Thomas Pynchon (Sprache & Litteratur). 1 EINLEITUNG Thomas Pynchon (*1937), amerikanischer Schriftsteller. Mit seinen komplex komponierten experimentellen Romanen avancierte er zu einem der herausragenden Vertreter der literarischen Postmoderne in den USA. Pynchon wurde am 8. Mai 1937 auf Long Island (Bundesstaat New York) geboren und studierte zunächst Maschinenbau an der Cornell University; danach ging er als Matrose zur US-Marine. Anschließend studierte er wiederum in Cornell englische Literatur (u. a. bei Vladimir Nabokov). Nach 1958 arbeitete Pynchon vier Jahre lang als Konstruktionsassistent und Texter für Boeing Aircraft. Schon während seiner Universitätszeit erschienen in verschiedenen Studentenzeitschriften einige seiner Kurzgeschichten, darunter die berühmte Erzählung Entropy (Entropie). 1984 distanzierte sich Pynchon im Vorwort des Sammelbandes Slow Learner (Spätzünder) ironisch von diesen Texten. Pynchon veröffentlichte in mehr als vier Jahrzehnten neben einigen Kurzgeschichten nur sechs Romane. Bereits mit seinem Debütroman V (1963; V) machte er sich einen Namen als bedeutendster amerikanischer Gegenwartsautor. Es folgten The Crying of Lot 49 (1966; Die Versteigerung von No. 49) und Gravity's Rainbow (1973; Die Enden der Parabel), der den National Book Award erhielt; zu einem kleinen Skandal kam es, als alle drei Mitglieder der Pulitzerpreis-Jury das Buch für die Auszeichnung empfahlen, die Preisverleiher in jenem Jahr aber lieber überhaupt keinen Preis vergaben. Nach langer Pause erschien 1990 Pynchons vierter Roman Vineland (Vineland); es folgten Mason & Dixon (1997; Mason & Dixon) und Against the Day (2006). Parallel zur Veröffentlichung seines ersten Romans 1963 zog sich Pynchon gänzlich aus der Öffentlichkeit zurück. Der in seinem Werk zum Ausdruck kommende Kulturpessimismus ließ zahlreiche Kritiker vermuten, er sei aus der amerikanischen Großstadtwelt geflohen oder habe zumindest den USA den Rücken gekehrt. Die Frage, wer Thomas Pynchon sei und wo er sich aufhalte, beschäftigte in den folgenden Jahrzehnten zunehmend seine Fans und auch die Medien. Ein ganzer Pynchon-Markt gab immer neuen Spekulationen Nahrung; so erklärten gleich zwei Newsletter-Magazine die Jagd auf das Phantom zu ihrem einzigen Ziel. Pynchon-Anhänger verfolgten Spuren, die zu Wohnorten nach Mexiko, Kalifornien, London oder Berlin zu führen schienen. Es kursierten Verschwörungstheorien, die etwa besagten, dass Pynchon auf der Flucht vor Agenten des FBI mit Greyhoundbussen auf den Landstraßen Amerikas unterwegs sei, oder dass er mit dem geheimnisvollen Una-Bomber, der der US-Regierung den Krieg erklärt hatte, identisch sei. Manche erklärten seinen Namen kurzerhand zu einem Pseudonym J. D. Salingers, andere hielten Pynchon für identisch mit William Gaddis. Damit wurde ein zentrales Thema Pynchons - die Auflösung menschlicher Individualität im Zeitalter globaler Vernetzung - augenscheinlich wörtlich genommen und literarische Fiktion mit biographischer Realität vermischt. Mit seiner Phantomexistenz hatte der Autor selbst gern gespielt: So schickte er 1974 zur Verleihung des National Book Award einen Professor Irwin Corey (,,Experte für alles") als Stellvertreter, den er vor dem Preiskomitee eine lächerliche Rede halten ließ. 1997 gelang es einer Journalistin von der Zeitschrift New York erstmals nach 1957, ein - wenn auch verschwommenes - Foto Pynchons aufzunehmen. Es zeigt den medienscheuen Schriftsteller (,,Ich bevorzuge es, nicht fotografiert zu werden") mit seinem sechsjährigen Sohn Jackson beim Einkaufsbummel in Manhattan. Daraufhin brach Pynchon sein Schweigen und gab dem Nachrichtensender CNN ein Interview. Anschließend zog sich der Autor, der seinen Angaben zufolge seit 1988 im Zentrum von New York lebt, wieder aus der Öffentlichkeit zurück. Mit dem Rätsel um seine Identität, das zu einem festen Bestandteil der amerikanischen Popkultur geworden ist, ging Pynchon weiterhin spielerisch-selbstironisch um; so tauchte er 2004 in drei Folgen der Zeichentrickserie The Simpsons auf - die Figur wurde von ihm selbst gesprochen, trug aber eine sein Gesicht verhüllende Papiertüte über dem Kopf. 2 WERK Pynchons Bücher reflektieren das gesellschaftliche System industrieller, militärischer, kommunikativer und sozialer Netze, das Individualität (so Pynchons Ansicht) unmöglich macht. Deshalb verknüpfen die Romane Zitate naturwissenschaftlicher Theorien (Chaostheorie, Informationstheorie, Entropiesatz etc.), historische Fakten, Elemente der Popkultur und eigentliche Handlung zu einem organischen Ganzen, in dem sich die Protagonisten verstricken. Bei seiner Darstellung menschlicher Entfremdung bedient sich Pynchon einer Vielfalt von Erzähltechniken und Gattungsmustern, die ihn als einen virtuosen Meister postmodernen Erzählens ausweisen. Der Duktus der Trivialliteratur wird dabei ebenso gekonnt imitiert wie die Schreibstile des 18. Jahrhunderts, der Ton der Märchen oder jener der Werke Nabokovs, Emily Dickinsons, Hermann Melvilles, Joseph Conrads oder Luis Jorge Borges'. Das hier zur Schau gestellte postmoderne Modell der Intertextualität allerdings ironisierte Pynchon bereits in seinen ersten Erzählungen (,,Rat das Zitat"). Schon in seinem Romandebüt V (1963; V) spielte Pynchon mit der Erwartungshaltung seiner Leser, indem er zwei durch die Protagonisten Benny Profane und Herbert Stencil zusammengehaltene Erzählstränge in barocker Sprachmanier ausufern ließ. Der traditionellen Ordnung einer stringenten Handlung steht hier das Prinzip des Zufälligen, Chaotischen gegenüber, das eines der Sujets des Buches - die entwurzelte New Yorker Intellektuellenszene der fünfziger Jahre - auch auf formaler Ebene beschreibt. Medienüberflutung und Lebensstillstand sind zentrale Themen. Der Protagonist mit dem sprechenden Namen Benny Profane gerät zum Prototyp einer dem Konsumrausch und der Fremdlenkung innerhalb der Industriegesellschaft willenlos ausgelieferten Bevölkerung. Der zweite Teil des Romans ist dem wandlungsfähigen ,,Weltabenteurer" Herbert Stencil gewidmet, der, als Gegenbild Profanes, Wirklichkeit zu decodieren und zu ordnen sucht. Bei der Entschlüsselung eines vom Vater ihm vererbten Tagebuchs geht es vor allem um die Sinnsuche nach dem kryptischen Kürzel ,,V". Bei dieser Suche wird nicht zuletzt auch Zeitgeschichte aufgearbeitet, wobei sich der Bogen von der Faschodakrise 1898 bis zur Suezkrise 1956 spannt. Zugleich aber richtet sich die Sehnsucht Stencils immer wieder auf die Frau, deren Vorname das magische ,,V" als Initiale trägt (Victoria, Veronica, Vera, Viola etc.). Aber auch die synthetische Arbeit Stencils kann letztlich die komplexe Wirklichkeit nicht begreifen, sondern bildet nur ihre Vernetzung ab; bei seiner Sinnsuche scheitert er ebenso wie vor ihm der unambitionierte Profane. In weiteren Romanen wie The Crying of Lot 49 (1966; Die Versteigerung von No. 49) und Gravity's Rainbow (1973; Die Enden der Parabel) wird dieses Stilprinzip weiter ausgebaut, in V werden vorgegebene Themen (apokalyptische Weltverschwörungsphantasien, soziale Stillstandsbeschreibung, Todessehnsucht etc.) variiert: Auch The Crying of Lot 49 wächst sich dabei aus zum Panorama der amerikanischen Gesellschaft der Nachkriegszeit, deren Isolierte und sozial Ausgestoßene für die Protagonistin Oedipa Maas durch ein geheimnisvolles System von Geheimzeichen namens W.A.S.T.E. (englisch für: Abfall) verbunden zu sein scheinen. Letztlich entpuppt sich aber auch dies nur als Wahnvorstellung der längst schon von der Welt und sich selbst entfremdeten Hauptfigur. Die enzyklopädische Erzählerwirklichkeit von Gravity's Rainbow letztlich - der Roman wurde des Öfteren mit Ulysses von James Joyce verglichen - spiegelt die Zerrissenheit der geschilderten Realität. 1990 folgte nach 17-jähriger Pause der Roman Vineland (Vineland), der als Pynchons zugänglichster und am konventionellsten erzählter Roman die Literaturkritik eher enttäuschte. Mit Mason & Dixon (1997; Mason & Dixon) fand der Autor wieder zur polyphonen Raffinesse seiner früheren Werke zurück. Der Roman ist im literarischen Jargon des 18. Jahrhunderts geschrieben und enthält neben dem bekannten Personal früherer Bücher und den Protagonisten, den britischen Landvermessern Charles Mason und Jeremiah Dixon (siehe Mason and Dixon Line), einen sprechenden Hund, eine fliegende Ente aus Metall, einen Geist namens Rebekha und eine große Anzahl trinkfreudiger Buren, Sklaven, Prostituierter und Barbesitzer. Dabei mischte er Historie und Fiktion, Wissenschaft und Sciencefiction, Satire und Farce. So lässt Pynchon seine Helden u. a. mit den US-Präsidenten George Washington, Thomas Jefferson und Benjamin Franklin zusammentreffen. Auf seinen sechsten Roman Against the Day (2006), der wiederum keine lineare Handlung besitzt, sondern ein hochkomplexes, kaum zu entwirrendes Geflecht aus historischen Fakten und Figuren, populären Mythen, fiktiven Elementen sowie Anspielungen und Querverweisen bietet, reagierte die amerikanische Fachkritik hauptsächlich ratlos. Während die einen schlicht ein prätentiöses, zum Selbstzweck verkommenes Puzzle sahen, sprachen andere Rezensenten von einem in seiner Unzugänglichkeit großartigen Meisterwerk, das sich ihnen allerdings auch kaum erschlossen habe. Verfasst von: Thomas Köster Microsoft ® Encarta ® 2009. © 1993-2008 Microsoft Corporation. Alle Rechte vorbehalten.

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