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Nationalismus - Politik.

Publié le 16/06/2013

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Nationalismus - Politik. 1 EINLEITUNG Nationalismus, zum Teil neutral, meist eher kritisch bis abwertend verwendete Bezeichnung für auf die Interessen der eigenen Nation fixierte, teilweise auch zur Militanz neigende Ideologien. Nationalistische Ideologien sind darauf ausgerichtet, den als etwas Besonderes empfundenen Nationalcharakter zu bewahren, zu stärken und gegen andere abzugrenzen. Diese auf Festigung der inneren Einheit gerichtete Abgrenzung nach außen richtet sich dabei auch gegen Minderheiten im eigenen Land. Nationalistische Ideologien können eine je nach historischen, politischen und sozioökonomischen Hintergründen unterschiedliche Ausprägung annehmen. In der politikwissenschaftlichen Forschung unterscheidet man etwa u. a. zwischen kulturellem, politischem, ökonomischem und religiösem Nationalismus. Allen Nationalismen ist eine übersteigerte Wertschätzung der eigenen Nation und das Empfinden der eigenen Besonderheit als Überlegenheit gegenüber anderen Völkern oder nationalen Minderheiten sowie ein Sendungsbewusstsein gemeinsam. Dabei wird in wirtschaftlichen und territorialen Fragen (häufig offen rassistisch) für die eigenen Interessen ein Rechtsvorrang behauptet. Im Chauvinismus wird das nationale Eigeninteresse häufig zum alleinigen, obersten Maßstab für die Politik. 2 GESCHICHTE Die Entstehung des Nationalismus hängt eng zusammen mit der Herausbildung der Nationalstaaten. Wesentliche Impulse für die Entwicklung nationalistisch orientierter Grundhaltungen gingen von der Französischen Revolution aus, deren Kampflied, die spätere französische Nationalhymne, mit den für die neue, auch emotionale Bedeutung der Nation - des Vaterlandes - kennzeichnenden Worten beginnt: ,,Allons enfants de la patrie" (Marschieren wir los, Kinder des Vaterlandes). Die Idee der Nation war zugleich verbunden mit der Idee der Souveränität, der Grundlage des Nationalstaatsprinzips. Erst die Ausbildung der modernen Nation ließ ein sozialintegratives, auch ideologiefähiges Bewusstsein der Zugehörigkeit zu der im Staat organisierten sozialen Großgruppe entstehen. Im 19. Jahrhundert suchten nationalistische Bewegungen u. a. in Deutschland, Griechenland, Italien und Ungarn, auf der Grundlage der historischen, sprachlichen und kulturellen Verbundenheit eine auch politische, auf einen souveränen Nationalstaat gerichtete, nationale Identität zu stiften. In bestehenden Nationalstaaten wurde der zunehmende Nationalismus bewusst sowohl zur Festigung der nationalen Einheit als auch zur Durchsetzung von Macht- und Territorialinteressen eingesetzt. In der schärfer werdenden Konkurrenz zwischen den europäischen Staaten um Rohstoffressourcen und Absatzmärkte wurde der Nationalismus zum Ausgangspunkt kolonialistischen und imperialistischen Vormachtstrebens. Ihren Höhepunkt erreichte diese Entwicklung im 1. Weltkrieg. Die sich danach in Italien und Deutschland entwickelnden Extremformen des Nationalismus, der Faschismus und der Nationalsozialismus, sowie die von ihnen errichteten totalitären Diktaturen waren gekennzeichnet von einer schrankenlosen Aggressivität nach außen, die sich u. a. in rücksichtslosen Angriffskriegen manifestierte. Erneut zum Problem wurde der militante Nationalismus im Europa der neunziger Jahre mit dem Aufbrechen des Ostblocks und den revolutionären Umwälzungen in den Staaten des früheren Warschauer Paktes sowie ganz besonders auf dem Balkan nach dem Auseinanderbrechen Jugoslawiens. In Afrika, Asien und Ozeanien wirkte der sich im Zuge der Entkolonialisierung entfaltende Nationalismus sozialintegrativ und trug zur inneren Stabilisierung ebenso bei wie zur Überwindung der Abhängigkeit von den früheren Kolonialherren. Enorme militärische Kraft entfaltete dieser neue Nationalismus u. a. im Indochina- und im Vietnamkrieg durch sozialrevolutionäre Guerillabewegungen. Eine erhebliche Bedrohung für den Frieden im arabischen Raum geht weiterhin von dem religiösen Nationalismus der islamischen Fundamentalisten aus. Microsoft ® Encarta ® 2009. © 1993-2008 Microsoft Corporation. Alle Rechte vorbehalten.

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