Angelsachsen - Geschichte.
Publié le 14/06/2013
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Angelsachsen - Geschichte. Angelsachsen, gemeinsamer Name für diejenigen germanischen Stämme, die im 5. und 6. Jahrhundert aus den Küstenländern der Nordsee zwischen den Niederlanden und Norwegen auf die Britischen Inseln einwanderten, das britische Tiefland eroberten und die dort siedelnden Kelten verdrängten. In seiner Historia Ecclesiastica Gentis Anglorum (Kirchengeschichte des englischen Volkes) nennt der englische Geschichtsschreiber Beda die Sachsen, Angeln und Jüten als die drei wichtigsten Stämme. Laut Beda siedelten sich die aus Jütland stammenden Jüten in zwei relativ kleinen Regionen an: in Kent östlich des Flusses Medway, im südlichen Teil von Hampshire und auf der Insel Wight. Die Angeln, von denen der Name England abgeleitet ist, kamen aus dem Gebiet des heutigen Schleswig-Holstein und von der dänischen Insel Fyn (Fünen) und eroberten von East Anglia und den östlichen Midlands bis nach Edinburgh im Norden einen Großteil des Ostens von Britannien. Die Sachsen aus dem Gebiet zwischen den Unterläufen von Weser und Elbe besiedelten Südengland westlich des Flusses Medway, das Themsetal und den Westen der Midlands entlang des Avon in Warwickshire. Bedas Darstellung vereinfacht hier allerdings einen äußerst komplexen Vorgang. Archäologischen Funden zufolge ließen sich die germanischen Einwanderer nicht oder nicht ausschließlich getrennt nach Stämmen nieder, vielmehr lässt sich in weiten Teilen Süd- und Ostbritanniens eine angel-sächsische Mischbevölkerung nachweisen. Auf der anderen Seite bestätigen Funde südskandinavischen Ursprungs in Kent, dass hier tatsächlich Jüten siedelten. Ortsnamen und archäologische Funde verweisen auch auf andere germanische Völker, wie z. B. Friesen, Franken und Thüringer, die aber in einem wesentlich kleineren Umfang an den Einwanderungen beteiligt waren, und für das späte 5. Jahrhundert lassen sich auch Einflüsse aus Westskandinavien, insbesondere Norwegen, nachweisen. Die angelsächsischen Einwanderer verehrten germanischen Götter wie z. B. Wotan, Donar (siehe Thor) und Tiu (Tyr) (siehe Germanische Mythologie); die englischen Wochentage Wednesday (Mittwoch), Thursday (Donnerstag) und Tuesday (Dienstag) erinnern heute noch daran. Erst mit Augustinus von Canterbury begann 597 in Kent allmählich die Christianisierung durch Missionare aus dem Frankenreich, aus Irland und aus Rom, die Ende des 7. Jahrhunderts im Wesentlichen vollendet war. Umgekehrt missionierten dann im 8. Jahrhundert angelsächsische Mönche auf dem Festland, insbesondere im Ostteil des Frankenreiches. Die angelsächsischen Herrscher sahen sich selbst als Könige der Angeln (Engländer), während ihre keltischen Nachbarn sie als Sachsen (Sais in walisisch und Sassanach in gälisch) bezeichneten. Die Namen einiger angelsächsischer Königreiche haben sich bis heute in den Namen englischer Grafschaften oder Regionen erhalten, wie z. B. Essex, Middlesex, Sussex, Wessex, Kent, Lindsey (Lincolnshire) und Northumberland (Northumbria). Im 7. Jahrhundert bestand ein Nebeneinander von relativ starken, unabhängigen regionalen Königreichen und kleineren politischen Einheiten. Aus dem Kampf um die Vorherrschaft in England, der vor allem zwischen den Königreichen Mercia und Northumbria ausgetragen wurde, ging im 8. Jahrhundert Mercia als Vormacht hervor. König Offa von Mercia (2. Hälfte des 8. Jahrhunderts) gilt als erster König von England. Im 9. Jahrhundert unterwarfen dänische Wikinger die Königreiche Northumbria, East Anglia und Mercia. Nur das Königreich Wessex wurde verschont, und unter Alfred dem Großen und seinen Nachfolgern konnte der dänisch besetzte Teil von England wieder zurückerobert werden. Mitte des 10. Jahrhunderts hatte sich in England ein vereintes Königreich herausgebildet. Im frühen 11. Jahrhundert kam England für eine kurze Zeit unter die Herrschaft des dänischen Königs Knut II. und seiner unmittelbaren Nachfolger, aber mit Eduard dem Bekenner gelangte 1042 wieder ein angelsächsischer Herrscher auf den englischen Thron. Der letzte angelsächsische König war Harold II. Godwinson. Er fiel 1066 in der Schlacht von Hastings gegen Wilhelm den Eroberer. Mit Harold endete die Periode der angelsächsischen Könige Englands und die der normannischen Herrscher begann. Die frühesten Zeugnisse angelsächsischer Literatur stammen aus dem 7. Jahrhundert. Auf König Alfred von Wessex soll die Angelsächsische Chronik zurückgehen, eine wichtige Textsammlung und Geschichtsquelle für die Zeit zwischen dem 10. und 12. Jahrhundert. Die frühe angelsächsische Kunst übernahm mit Vorliebe Tiermotive aus der skandinavischen Kunst, die im 7. und 8. Jahrhundert mit keltischen Motiven und figürlichen Motiven aus dem mediterranen Raum verbunden wurden. Tierdarstellungen wurden bis zum 9. Jahrhundert weiterentwickelt (Trewhiddle Style). Die spätangelsächsische Kunst zeichnet sich durch reich verzierte mediterrane Pflanzenornamente aus (Winchester Style). Die angelsächsische Architektur, von der nur wenige Zeugnisse aus dem 7. bis 11. Jahrhundert erhalten sind, wurde allmählich von der Romanik verdrängt. Siehe England; englische Sprache; englische Literatur Microsoft ® Encarta ® 2009. © 1993-2008 Microsoft Corporation. Alle Rechte vorbehalten.
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