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Islam - Religion.

Publié le 17/06/2013

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Islam - Religion. 1 EINLEITUNG Islam, von Mohammed im 7. Jahrhundert gestiftete Weltreligion. Nach dem Christentum ist sie die zweitgrößte und gegenwärtig am stärksten expandierende Religion der Welt, deren Anhänger auf mehr als eine Milliarde Menschen geschätzt werden. Die überwiegende Mehrheit (ca. 700 Millionen) lebt in Asien und Afrika (ca. 270 Millionen); in Europa gibt es etwa 35 Millionen, in Amerika um die fünf Millionen Muslime. Die größte islamische Nation der Welt ist mit circa 140 Millionen Muslimen Indonesien, das aber kein islamischer Staat ist. Staatsreligion ist der Islam in etwa 40 Ländern in Asien und Afrika. In Deutschland beträgt die Zahl der Muslime circa 2,5 Millionen, das sind etwa 3 Prozent der Bevölkerung. Die Selbstbezeichnung Islam bedeutet die völlige Hingabe an den Willen Gottes; derjenige, der diese Hingabe zeigt, ist der Muslim (oder Moslem). Die geläufige Fremdbezeichnung Mohammedaner nach dem Namen des Gründers der Religion lehnen die Muslime selbst ab, da sie nach ihrer Auffassung eine unrichtige Parallele zur Selbstbezeichnung der Christen (und auch der Buddhisten) darstellt. 2 MOHAMMED Der Stifter des Islam, Mohammed, wurde um 570 n. Chr. in Mekka geboren. Er verlor sehr früh seine Eltern, woraufhin ihn sein Oheim Abu Talib zusammen mit dem Vetter Ali aufzog. Wie die meisten Mekkaner widmete sich Mohammed dem Handel. Er heiratete seine um einiges ältere Dienstherrin Chadidscha und hatte mit ihr mehrere Kinder, darunter die Tochter Fatima, die später seinen Vetter Ali heiratete. Um das Jahr 610 empfing er in einer Höhle am Berg Hira in der Umgebung von Mekka die erste Offenbarung, die ihn erschütterte und seinem Leben eine neue Richtung gab. Erst nach einer Phase innerer Qual, in der ihm seine Frau Chadidscha beistand, erhielt er weitere Eingebungen, die nun bis zu seinem Lebensende erfolgten. Er machte zunächst nur seiner engsten Familie Mitteilung - an die Öffentlichkeit wandte er sich erst nach drei Jahren. Aber seine Botschaft von dem einen Gott, der die Welt regiert und am Jüngsten Tag richten wird, fand bei den mekkanischen Polytheisten keinen Anklang. Es gelang Mohammed nicht, sich in Mekka durchzusetzen. Glauben und Zuspruch fand er nur im Kreis der engeren Familie und Freunde. 619 starben seine Frau und der ihn schützende Oheim Abu Talib. Im Jahr 622 wanderte Mohammed nach Yathrib, das später Medina (Stadt des Propheten) genannt wurde, aus. Mit dieser Emigration, die keine Flucht war, beginnt die islamische Zeitrechnung. Mohammed bot sich in Yathrib die Chance, als Friedensrichter zwischen einander befehdenden Stämmen und Parteien zu wirken und so eine dominierende Stellung zu gewinnen. Aus dem Propheten des Endgerichts wurde der Leiter und Organisator eines theokratischen Staatswesens. Und er begann den Kampf um Mekka, den er 630 mit der Eroberung der Stadt, die sich fast ohne Widerstand ergab, erfolgreich abschließen konnte. Er ritt auf einem Kamel zur Kaaba und ließ sofort alle Götterbilder zerstören; seinen bisherigen Gegnern gegenüber verhielt er sich großmütig. Bald schloss sich der größte Teil der Arabischen Halbinsel ihm an: der Islam wurde zur Religion der Araber. Mohammed starb 632 im Haus seiner Lieblingsfrau, der jungen Aischa, deren Vater Abu Bakr zu seinem ersten Nachfolger gewählt wurde. Mit der Festigung seiner Macht auf der Arabischen Halbinsel hatte Mohammed den Grund gelegt für die weltweite Ausbreitung des Islam. 3 DER KORAN Der Koran ist die Grundlage und Stiftungsurkunde des Islam. Er ist für die Muslime das ewige Wort Gottes, das durch Mohammed wie durch ein Instrument in arabischer Sprache vernehmbar wurde. Die Offenbarungen, die Mohammed zwischen 610 und 632 empfing, wurden zunächst mündlich tradiert. Die endgültige schriftliche Redaktion, zu der der dritte Kalif Othman den Auftrag gab, erfolgte 20 Jahre nach dem Tod Mohammeds. Othman ließ alle früheren Fassungen vernichten und je eine Abschrift des Textes in den vier Zentren der damaligen islamischen Welt - in Mekka und Medina sowie in Damaskus und in Basra (Irak) - hinterlegen. Der Text des Koran ist in 114 Abschnitte (Suren) untergliedert; sie wurden vermutlich nach dem Prinzip der abnehmenden Länge aneinandergereiht. Die Suren lassen sich in zwei Gruppen einteilen, je nachdem, ob sie in Mekka (610-622) oder in Medina (622-632) offenbart wurden, was in der Überschrift jeweils angegeben wird. In Mekka überwog die kurze, situationsgebundene Offenbarung, oft verbunden mit Polemik gegen das Unverständnis der Menschen und mit Gerichtsdrohungen, während in Medina längere Ausführungen bezüglich religiöser und politischer Themen und legislative Texte in den Vordergrund traten. Die Anordnung nach der Länge hat zur Folge, dass die früheren Offenbarungen aus Mekka eher am Ende des Korans, nach den späteren Offenbarungen aus Medina, stehen. Alle Suren tragen (später hinzugefügte) Titel, nach denen sie oft zitiert werden. Als Hauptthemen lassen sich benennen: die Einzigkeit und Barmherzigkeit Gottes, die Pflichten der Muslime, biblische Gestalten wie Adam, Abraham, Moses, auch Jesus und seine Mutter Maria, sowie Gericht, Hölle und Paradies. Der Koran ist für die gesamte islamische Kultur von grundlegender Bedeutung: Er ist der Schlüssel für das gesamte islamische Geistesleben. Viele koranische Verse sind zu Lieblingsthemen für die Meditation der Mystiker und Dichter geworden. Gerade durch die Mystik ist die Symbolik des Koran so tief in die orientalische Dichtung aller Sprachen eingedrungen, dass das Verständnis dieser Poesie oft gar nicht möglich ist ohne Kenntnis des Koran. Die zentrale Bedeutung des Koran hat auch zur Folge, dass jede Antwort auf neu auftauchende Fragen und Probleme sich durch Berufung auf den Koran legitimieren und dass auch jede Reformbewegung sich an ihm orientieren muss. 4 DIE FÜNF SÄULEN DES ISLAM Für den Gläubigen Muslim gelten fünf Pflichten, die auch die fünf Säulen des Islam genannt werden, weil sie den Islam tragen wie Säulen ein Haus. 4.1 Shahada - Glaubenszeugnis Die erste Säule, das Glaubensbekenntnis, ist die Basis für die anderen. Wer öffentlich bekennt: ,,Ich bezeuge, dass es keine Gottheit außer Gott gibt und dass Mohammed der Gesandte Gottes ist", hat damit den Islam angenommen. Der erste Teil ist ein Bekenntnis, das von allen Monotheisten gesprochen werden kann. Als eigene Religion wird der Islam durch den zweiten Teil definiert, in dem zum Ausdruck kommt, dass Mohammed die abschließende, die früheren Offenbarungen korrigierende und abschließende Offenbarung gebracht hat, worin der Glaube an die vorausgehenden Propheten von Abraham bis Jesus eingeschlossen ist. 4.2 Salat - Rituelles Pflichtgebet Die für das tägliche Leben wichtigste und das äußere Bild der islamischen Welt am stärksten formende Kraft ist das Pflichtgebet, das fünfmal am Tag verrichtet wird und für alle Muslime vom 12. Lebensjahr an verbindlich ist. Für die Verrichtung der Salat genügt ein reiner Platz, sei es auf dem Feld, im Zug, im Auto, im Geschäft. Eine kleine Gebetsmatte sichert die Sauberkeit des Ortes. Das gemeinschaftliche Gebet findet in der Moschee (arabisch Masjid: ,,Ort, wo man sich niederwirft") statt. Zum Gebet aufgerufen wird vom Minarett der Moschee aus. 4.3 Saum - Fasten im Ramadan Seit den Anfängen des Islam ist der neunte Mondmonat des Jahres, der Ramadan, die Zeit des Fastens. Vom Morgengrauen (wenn man einen schwarzen Faden von einem weißen unterscheiden kann) bis zum Sonnenuntergang darf nicht gegessen, getrunken, geraucht, kein Wohlgeruch genossen, kein Geschlechtsverkehr ausgeübt werden. Der Mondmonat Ramadan wandert durch alle Jahreszeiten; besonders groß ist die Anstrengung, wenn er in den Sommer fällt und in der orientalischen Hitze kein Tropfen Wasser gestattet ist, während in nördlichen Ländern die langen Tage zum Problem werden können. Das so genannte Fest des Fastenbrechens beim Erscheinen des Neumonds ist daher auch das am sehnsüchtigsten erwartete Fest im Jahreslauf. 4.4 Zakat - Almosensteuer Die Almosensteuer ist eine Abgabe vom Vermögen und hat eine doppelte Funktion. Sie ist Erfüllung der sozialen Pflicht gegenüber der Gemeinschaft und lehrt, sein Herz nicht an irdischen Besitz zu hängen, sondern für Gott zu öffnen. Wenn sie als gerechte Besteuerung der Reichen und Fürsorge für die Armen richtig durchgeführt wird, sehen moderne muslimische Denker in ihr ein Schutzmittel gegen Kapitalismus und Kommunismus. 4.5 Hadsch - Wallfahrt nach Mekka Jeder Muslim soll einmal im Leben im Wallfahrtsmonat, dem 12. Monat des islamischen Mondjahres, eine Pilgerfahrt nach Mekka unternehmen und an den heiligen Stätten die vorgeschriebenen Riten vollziehen. Diese fünfte Pflicht gilt als die Vollendung des religiösen Lebens. Die Einrichtung geht auf Mohammed selbst zurück, der damit alte arabische Bräuche übernommen, ihnen aber eine neue Bedeutung gegeben und sie vor allem mit der Abraham-Überlieferung verbunden hat. Zweifellos trägt die Zusammenkunft mit Gläubigen aus aller Welt dazu bei, das Zusammengehörigkeitsgefühl der Muslime zu stärken. Viele Reformbewegungen der beiden letzten Jahrhunderte waren Ergebnisse einer solchen Pilgerfahrt. Muslime vor allem aus den Randgebieten der islamischen Welt hatten in Mekka den ,,reinen arabischen Islam" erlebt und nach ihrer Rückkehr in die Heimat damit begonnen, sich für den echten Islam einzusetzen. Der Hadsch ist die größte Massenveranstaltung der Welt, im Jahr 2000 waren zwei Millionen Pilger nach Mekka gekommen, davon über eine Million aus dem Ausland. 5 DIE GEMEINSCHAFT UND IHR RECHT 5.1 Umma Umma ist das arabische Wort für die religiöse und politische Gemeinschaft des Islam, für die Gemeinschaft der ,,Gläubigen". Es ist eines der Schlüsselkonzepte im Islam. Die grundlegende soziale Einheit im Islam stellt auf lokaler wie auf internationaler Ebene die Gemeinde dar. Die lokale Gemeinde ist die Nachbarschaft, die sich um eine Moschee bildet; die nächste Ebene ist die Gemeinschaft der Stadt, die ihr Zentrum in der Juma oder Freitagsmoschee hat; die oberste Ebene ist das internationale Netzwerk der Gemeinden von Gläubigen, die Umma, die ihren Mittelpunkt in der Heiligen Moschee in Mekka hat. Der Islam entstand als Religion der Araber; er überschritt aber schon bald die Grenzen der arabischen Welt. Zur Umma gehören alle Muslime in der ganzen Welt, ganz gleich aus welcher Nation, Ethnie oder Kultur sie kommen. Rassismus und Nationalismus sind mit den Grundlagen des Islam unvereinbar. Wo der Islam dennoch als nationalistische Ideologie auftritt, erscheint die Religion von politischen Ideologien überformt. Die Pluralität der religiösen Richtungen und Schulen widerspricht nicht dem Konzept der Umma; dass Muslime gegeneinander Krieg führen ist jedoch ein grober Verstoß dagegen, der im Unglauben und Ungehorsam gegenüber Gott gründet. 5.2 Scharia Die Scharia, das Gesetz oder das islamische Recht, stellt die Gesamtheit der auf die Handlungen des Menschen bezüglichen Vorschriften Gottes dar. Die wichtigste Grundlage ist der Koran, der die zentralen rechtlichen Bestimmungen enthält, die das Leben in allen Bereichen regeln. Die zweite Grundlage ist die Sunna, die Wegweisung des Propheten, die Art und Weise, wie Mohammed die Frühgemeinde auf den Wegen Gottes führte. Die Erzählungen davon bilden die Hadith. Ihre Zahl wuchs mit der Zeit ins Unermessliche, so dass Kriterien formuliert werden mussten, welche Hadithe als vertrauenswürdig und verbindlich gelten können. Als weitere Quellen des Rechts fungieren der Konsens der Rechtsgelehrten und der im Rahmen des vorhandenen Rechts mögliche Analogieschluss. Im Laufe der Zeit entwickelten sich vier Rechtsschulen des sunnitischen Islam und eine eigene Schule der Schiiten. Im 20. Jahrhundert wurde in vielen Staaten der islamischen Welt die Scharia teilweise durch eine westlich-europäisch geprägte Gesetzgebung ersetzt; in der Mitte des Jahrhunderts setzte jedoch eine Gegenbewegung ein, die die Verwestlichung rückgängig machen will. 5.3 Jihad Zu den besonderen Pflichten der Muslime gehört auch der Jihad, der heilige Krieg, der manchmal als die sechste Säule des Islam bezeichnet wird. Der Begriff kann tatsächlich Krieg bedeuten, eigentlich aber bezeichnet er die Bemühung oder Anstrengung auf dem Weg Gottes oder für die Sache Gottes, unter Einsatz von Gut und Leben. 6 GESCHICHTLICHE FORMEN UND REICHE DES ISLAM 6.1 Sunniten und Schiiten Der Tod des Propheten im Jahr 632 stellte die junge Gemeinde vor schwere Probleme, die zum Bürgerkrieg und zur ersten großen Spaltung der Umma führten. Die ersten vier Nachfolger Mohammeds in der Leitung der Umma, die vier ,,rechtgeleiteten Kalifen", waren alle Gefährten des Propheten gewesen. Erster Kalif wurde Abu Bakr, der Vater von Mohammeds junger Frau Aischa. Auf ihn folgte Omar (634-644), der wie Abu Bakr zu den engsten Ratgebern Mohammeds gehört hatte. Er errang zwei entscheidende Siege, die den Islam auf den Weg zur Weltmacht brachten: im Westen am syrischen Fluss Yarmuk gegen Byzanz und im Osten gegen Persien. Nach seiner Ermordung durch einen Sklaven bestimmte ein Wahlgremium Othman aus dem Stamm der Omaijaden, einen Schwiegersohn Mohammeds, zum Nachfolger, wogegen Ali ibn Abi Talib - der Vetter Mohammeds und mit dessen jüngster Tochter Fatima verheiratet - Widerspruch erhob. Othman wurde 656 ermordet und Ali zu seinem Nachfolger (656-661). Ihn lehnte jedoch der Statthalter Syriens, der Omaijade Muawija ab; auch Aischa stellte sich gegen ihn. Es kam zum Bürgerkrieg, doch bevor eine Entscheidung gefallen war, wurde Ali 661 ermordet. Damit war der Weg frei für Muawija, der sich schon 660 zum Kalifen proklamiert hatte. Die Parteigänger Alis unterwarfen sich jedoch nicht, sondern bildeten die Schiat Ali, die Partei oder Gruppe Alis, und werden deshalb als Schiiten bezeichnet. Ihnen zufolge hat Mohammed kurz vor seinem Tod Ali in die inneren Geheimnisse des Glaubens eingeweiht und zu seinem Nachfolger bestimmt. Der Imam als Führer der Gläubigen und wahrer Interpret des Koran muss ein Nachkomme Alis sein. Wegen dieser besonderen Rolle des Imams werden die Schiiten auch Imamiten genannt. Der Tod von Alis Sohn Husain bei Kerbela am 10. Muharram 680 besiegelte das politische Scheitern der Schia, sie wurde nun zu einer oppositionellen Partei mit religiös-mystischen Zügen. Die Safawiden machten sie 1502 in Persien zur Staatsreligion. Mit der Errichtung der Islamischen Republik Iran 1979 wurde die Schia zur offiziellen Religion. Heute sind etwa 10 Prozent der Muslime Schiiten, die übrigen 90 Prozent werden Sunniten genannt 6.2 Omaijaden und Abbasiden Muawija (661-680) machte seine Provinz Syrien zum Mittelpunkt der Umma und verlegte die Hauptstadt nach Damaskus. Indem er seinen Sohn Yazid noch zu Lebzeiten als Nachfolger einsetzte, beendete er die Praxis der Kalifenwahl und führte damit das dynastische Prinzip ein. Muawija starb 680; die von ihm begründete Dynastie der Omaijaden regierte bis 750. Unter den Omaijaden dehnte sich das Kalifenreich über ganz Nordafrika und bis nach Spanien und Südfrankreich aus. Erst Karl Martell setzte durch seinen Sieg bei Tours und Poitiers (732) dem weiteren Vordringen nach Europa ein Ende. Die Omaijaden wurden 750 von den Abbasiden gestürzt, die 763 ihre Residenz nach Bagdad verlegten und bis 1258 regierten. In Bagdad machte die arabische Vormachtstellung einem zunehmenden persischen Einfluss Platz, und der Puritanismus der Wüste trat gegenüber den Raffinessen einer glänzenden Zivilisation in den Hintergrund. Es war unausbleiblich, dass wesentliche Elemente der hellenistischen Kultur wie der christlichen, zoroastrischen und indischen Religion in das Leben und Denken der Muslime Eingang fanden. Berühmte Kalifen wie Harun arRaschid und al-Mamun waren große Förderer der Künste und der Wissenschaften, das ,,Morgenland" erlebte eine Blütezeit und überflügelte das ,,Abendland" in vielerlei Hinsicht. 6.3 Seldschuken und Mongolen Im 9. Jahrhundert begann den Abbasiden die Macht zu entgleiten; Fürsten der Randstaaten machten sich mehr oder weniger selbständig, und das riesige Reich begann, in fast unabhängige Teilstaaten zu zerbrechen. Neue, regionale Dynastien traten auf den Plan, die für sich den Kalifentitel beanspruchten, womit auch die religiöse Einheit der Umma zerbrach. In Asien regierte 200 Jahre die Dynastie der Seldschuken (1035-1258), bis der Mongolensturm 1258 das Abbasidenreich vernichtete. In Ägypten ging 969 die Macht an die schiitischen Fatimiden über, die 1171 von der kurdischen Familie der Aijubiden abgelöst wurden. Salah-al-Din al-Aijub (1138-1193), in Europa als Saladin bekannt, einte Ägypten, Palästina und Syrien unter sunnitischer Herrschaft, wehrte den dritten Kreuzzug ab und eroberte Jerusalem zurück. In Spanien (dem Andalus der Araber) nahm Abdarrahman III. an-Nasir 929 den Kalifentitel an und führte in seiner 50-jährigen Regierungszeit (912-961) Cordoba, das zum Bagdad des Westens wurde, auf den Höhepunkt seines wirtschaftlichen und kulturellen Glanzes. 6.4 Osmanenzeit 1326 eroberten die Osmanen Anatolien und machten zuerst Bursa, dann Edirne zu ihrer Hauptstadt, 1453 machten sie unter Mehmed II. mit der Eroberung von Konstantinopel dem christlichen Byzantinischen Reich ein Ende, die neue Hauptstadt Istanbul wurde zum geistigen Mittelpunkt der islamischen Welt. 1517 eroberten sie unter Selim Ägypten und besiegelten damit das Ende des Mameluckenreichs. Im Westen dehnte Süleyman der Prächtige (1520-1556) seine Macht über Ungarn bis vor die Tore Wiens aus. Die türkischen Sultane nahmen den Kalifentitel an und traten den christlichen Staaten gegenüber als die Wahrer muslimischer Belange auf. 1501 errichtete Schah Ismail die Safawiden-Dynastie in Aserbaidschan. Er eroberte Persien und Mesopotamien und machte in seinem persisch-safawidischen Reich die Schia zur Staatsreligion. In Indien begründete Babur, ein Nachkomme Timur-i Längs, 1526 das Mogul-Reich, dem sein Enkel Akbar in einer langen und glücklichen Regierung seine eigentliche Gestalt gab. Durch seine religiöse Toleranz, seine freie Zusammenarbeit mit Hindus, Christen und Parsen sowie durch seine Förderung der Künste wurde Akbar wichtig für die Formung des indischen Islam. Von Indien aus trugen Handel und religiöse Bewegungen den Islam nach Südostasien, und die dort islamisierten Herrscher schufen islamische Reiche in Indonesien und im malaiischen Archipel. Im Land Dschingis Khans und Timur-i Längs errichteten die Usbeken unter Muhammad Schaibani (1451-1510) für ein Jahrhundert das Schaibanidenreich. Die Umma war in der Neuzeit somit über vier große muslimische Imperien verteilt, in denen die Welt des Herrschers der Glaubenswelt der islamischen Rechtsgelehrten und Theologen übergeordnet war. Sowohl die schiitischen wie die sunnitischen Glaubenstraditionen wurden in diesen Imperien immer mehr den staatspolitischen Interessen unterworfen. Die imperialen Staaten schufen auf diese Weise politisch-religiöse ,,Konfessionen", die in der Geschichte des Islam einen Paradigmenwechsel bedeuten, der für das Verständnis des gegenwärtigen politischen Islam wichtig ist. 7 SUFISMUS UND DERWISCHWESEN: DIE MYSTIK DES ISLAM Sufismus ist die Bezeichnung für die islamische Mystik, die durch Hingabe und Ergriffenheit geprägt ist. Der Begriff wird meist von dem Wort suf (Wolle) abgeleitet - die Sufis selbst bringen ihn mit safa (Reinheit) in Verbindung. Das Gedankengut des Sufismus bildet die Grundlage des Derwischwesens ( siehe Derwischorden). Es waren die Derwische, die den Sufismus verbreiteten. Historisch liegen die Anfänge des Sufismus in Khorassan, dem heutigen Nordostiran; er stellt seit seiner Herausbildung im 8. und 9. Jahrhundert eine Alternative zum offiziellen Gesetzesislam dar. Nach sufischer Überlieferung jedoch gab es Sufis zu allen Zeiten und in allen Ländern, der Sufismus gehört danach zu dem einen Strom direkter Erfahrung der Liebe zu Gott, der der bestimmende Faktor in allen großen Schulen der Mystik ist. Das für die weitere Entwicklung zentrale Element der reinen Gottesliebe, die nicht nach Lohn oder Strafe fragt, führte eine Frau, Rabi'a al-Adawiya aus dem irakischen Basra (gestorben 801) in den Sufismus ein; um sie ranken sich zahlreiche Legenden. In Ägypten stimmte Dhu'n-Nun (gestorben 859) in hymnischen Gebeten in den Lobpreis der Natur für ihren Schöpfer ein und legte damit den Grund für die spätere mystische Dichtung mit ihrer Freude an Naturschilderungen. Der Perser Buyezid Bistami (gestorben 874) entwickelte in kühnen Visionen die Vorstellung vom fana: Ablösung von den menschlichen Eigenschaften und langsame Vergeistigung. Im Irak, damals Zentrum des abbasidischen Reiches, wurden verfeinerte Techniken der Innenschau und die Lehre von den ,,Zuständen" und ,,Stationen" des tariqa, des mystischen Weges oder Pfades, entwickelt. Im 9. Jahrhundert wurden auch erstmals mystische Konzerte mit der noch heute umstrittenen Andachtsform des Wirbeltanzes erwähnt. Außerdem kamen Techniken zum Tragen, mit den unendlichen Möglichkeiten der arabischen Sprache und durch Verwendung paradoxer Bilder die Erkenntnisse mystischer Erfahrung vor den Uneingeweihten zu verhüllen. Junaid von Bagdad (gestorben 910) war der große Vertreter der mystischen Nüchternheit im Gegensatz zur ekstatischen Berauschtheit. Für ihn ist das Ziel des Menschen ,,zu werden, wie er war, als er nicht war". Junaid war eine überragende Gestalt und wurde zur Zentralfigur aller Initiationsketten. Trotz aller Verhüllungen gerieten die frühen Mystiker zuweilen in Konflikt mit der Obrigkeit. Hussein ibn Mansur al-Hallaj drückte das Geheimnis der Einigung von Mensch und Gott in seinem Wort aus: ,,ana'l-haqq" (,,Ich bin die Absolute Wahrheit"), und wurde dafür 922 hingerichtet. Er verwendete erstmals das Gleichnis vom Falter, der sich in die Flamme stürzt, um mit ihr eins zu werden, das zum Lieblingsthema der persischen Poesie avancierte. Mit Hallaj endet die erste Periode des Sufismus, es beginnt eine Phase der Konsolidierung, die in den Werken von Al Ghazali, dem die Versöhnung von Mystik und Orthodoxie gelang, ihren Höhepunkt findet. Eine neue Periode des Sufismus setzte mit der Bildung von Bruderschaften und Orden seit dem 12. Jahrhundert ein. Hier konnten die Frommen jene mehr emotionale Religiosität leben, für die im orthodoxen Islam kein Raum war: gemeinsames Gebet, Musik, kreisender Reigen und vor allem persönliche Betreuung und Begleitung. Der Meister (arabisch Sheikh, persisch Pir) hatte praktisch unbeschränkte Gewalt über den Jünger, der durch einen Initiationsakt in die geistige Kette aufgenommen wurde, welche bis zum Propheten zurückreichte; der Jünger schuldete ihm absoluten Gehorsam und Ergebenheit. Der Meister überwachte seine Entwicklung, sandte ihn in die einsame Klausur der 40-tägigen Fastenmeditation und gab ihm die rechte Dhikr-Formel. Bis heute gilt die Initiation und Erziehung durch einen lebendigen Meister als unabdingbar. Doch nur wenige Sufis leben in Klöstern. Der Hauptteil der Anhänger bildet eine Art Terziarenschaft, die zu bestimmten Anlässen, etwa dem urs, dem Todestag des Stifters, oder dem Geburtstag des Propheten zusammenkommen. Es wird getanzt, gemeinschaftlich Andacht gehalten und Trost und Segen vom Meister empfangen. Durch die Orden erreichte der Islam Kreise, die der Orthodoxie verschlossen blieben, und die Orden trugen ihn auch in die Randgebiete des Islam. Eine besondere Ausprägung erlangte der Sufismus im Iran. Um 1100 entwickelte sich dort eine sufische Dichtung, die sich sowohl des erzählenden Mathnavi (Doppelverses) als auch der Lyrik bediente. Die Werke der großen Dichter Sana'i (gestorben 1131) und Attar führten zu Djalal ad-Din Rumi, dessen ekstatische Liebesmystik den Höhepunkt sufischer Dichtung darstellt. Sein Mathnavi - mystisches Lehrgedicht mit 26 000 Versen, Enzyklopädie aller mystischen Ideen und Schatzhaus volkstümlicher Erzählungen in einem - wurde als ,,Koran in persischer Zunge" gepriesen. Im Laufe der Jahrhunderte brachte der Sufismus eine unübersehbare Menge an Literatur und Poesie hervor, die um das Geheimnis der absoluten Liebe kreist. Die Künder dieser Botschaft bedienten sich vieler Dialekte und Regionalsprachen und trugen so zur Entwicklung des Türkischen, Sindhi, Panjabi und vieler anderer Sprachen bei. Obwohl sich die Sufis hauptsächlich mit den Dingen des Herzens, der Seelsorge und der Liebesbotschaft befassen, spielen sie zuweilen auch eine politische Rolle, wie etwa die Suhrawardija und Naqshbandija. Dabei ist im Laufe der Geschichte Zusammenarbeit mit den Herrschenden genauso vorgekommen wie Rebellion etwa gegen korrupte Verwaltung. Im letzten Jahrhundert stellten Sufi-Gruppen die wichtigsten Widerstandskämpfer gegen die Sowjetisierung Zentralasiens. Viele Sufikonvente und -gruppen, die in ihren Heimatländern, etwa im Iran oder in der Türkei, in Widerspruch zu der dortigen politischen oder religiösen Ordnung gerieten, sind in den Westen gezogen und haben hier Fuß gefasst. Sie haben ihr Aufgabenfeld besonders im therapeutischen und psychiatrischen Bereich gefunden. 8 GEGENWART UND ZUKUNFT: VERWESTLICHUNG UND REFORM Mit der Napoleonischen Expedition nach Ägypten (1798) begann für den Nahen Osten und für die islamische Welt insgesamt eine neue Epoche. Die Kolonialherrschaft der Europäer führte in zahlreichen muslimischen Ländern zur Herausbildung neuer Eliten, wobei die Muslime selbst in den Hintergrund gedrängt wurden. Eine Folge war, dass sich seit dem 19. Jahrhundert in allen islamischen Gebieten Reformbewegungen entwickelten, die sich die Selbstbehauptung gegen die Übermacht der westlichen Zivilisation zum Ziel setzten. Eine dieser Bewegungen war die Salafija, die die Rückkehr zum Islam der Prophetengefährten forderte. Der Rückgriff auf den Ur-Islam fungierte sowohl als Waffe gegen Imperialismus und Kolonialismus sowie als Widerspruch gegen die Säkularisierung aller Lebensbereiche, aber er diente auch dazu, veralteten Festlegungen und Traditionen in den islamischen Gesellschaften den Boden zu entziehen. So können sich heute sowohl Fundamentalisten wie aufgeklärte Intellektuelle gleichermaßen auf die Salafija berufen. Politisch traten jedoch zunächst die Kräfte in den Vordergrund, die durch Übernahme westlicher Konzepte den Weg aus Unterentwicklung und Abhängigkeit propagierten und mit dem Westen gleichziehen wollten. Als deutlicher wurde, dass dieses Ziel mit dieser Strategie zum Scheitern verurteilt war, erhielten die islamistischen Kräfte Auftrieb, die seit den siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts weltweit die Aufmerksamkeit auf sich zogen. Ihr Ziel ist die Schaffung einer ,,islamischen Ordnung". Die Konturen dieser islamischen Ordnung bleiben allerdings unklar. Aber auch die Alternative zum Islamismus, eine kreative Aneignung der Moderne, ist eine in der reichen kulturellen Tradition des Islam angelegte Möglichkeit. Bearbeitet von: Karl Pichler Microsoft ® Encarta ® 2009. © 1993-2008 Microsoft Corporation. Alle Rechte vorbehalten.
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« Wasser gestattet ist, während in nördlichen Ländern die langen Tage zum Problem werden können. Das so genannte Fest des Fastenbrechens beim Erscheinen des Neumonds ist daher auch das am sehnsüchtigsten erwartete Fest im Jahreslauf. 4.4 Zakat – Almosensteuer Die Almosensteuer ist eine Abgabe vom Vermögen und hat eine doppelte Funktion. Sie ist Erfüllung der sozialen Pflicht gegenüber der Gemeinschaft und lehrt, sein Herznicht an irdischen Besitz zu hängen, sondern für Gott zu öffnen. Wenn sie als gerechte Besteuerung der Reichen und Fürsorge für die Armen richtig durchgeführt wird, sehenmoderne muslimische Denker in ihr ein Schutzmittel gegen Kapitalismus und Kommunismus. 4.5 Hadsch – Wallfahrt nach Mekka Jeder Muslim soll einmal im Leben im Wallfahrtsmonat, dem 12. Monat des islamischen Mondjahres, eine Pilgerfahrt nach Mekka unternehmen und an den heiligen Stättendie vorgeschriebenen Riten vollziehen. Diese fünfte Pflicht gilt als die Vollendung des religiösen Lebens. Die Einrichtung geht auf Mohammed selbst zurück, der damit altearabische Bräuche übernommen, ihnen aber eine neue Bedeutung gegeben und sie vor allem mit der Abraham-Überlieferung verbunden hat. Zweifellos trägt dieZusammenkunft mit Gläubigen aus aller Welt dazu bei, das Zusammengehörigkeitsgefühl der Muslime zu stärken. Viele Reformbewegungen der beiden letzten Jahrhundertewaren Ergebnisse einer solchen Pilgerfahrt. Muslime vor allem aus den Randgebieten der islamischen Welt hatten in Mekka den „reinen arabischen Islam” erlebt und nachihrer Rückkehr in die Heimat damit begonnen, sich für den echten Islam einzusetzen. Der Hadsch ist die größte Massenveranstaltung der Welt, im Jahr 2000 waren zwei Millionen Pilger nach Mekka gekommen, davon über eine Million aus dem Ausland. 5 DIE GEMEINSCHAFT UND IHR RECHT 5.1 Umma Umma ist das arabische Wort für die religiöse und politische Gemeinschaft des Islam, für die Gemeinschaft der „Gläubigen”. Es ist eines der Schlüsselkonzepte im Islam. Diegrundlegende soziale Einheit im Islam stellt auf lokaler wie auf internationaler Ebene die Gemeinde dar. Die lokale Gemeinde ist die Nachbarschaft, die sich um eineMoschee bildet; die nächste Ebene ist die Gemeinschaft der Stadt, die ihr Zentrum in der Juma oder Freitagsmoschee hat; die oberste Ebene ist das internationale Netzwerkder Gemeinden von Gläubigen, die Umma, die ihren Mittelpunkt in der Heiligen Moschee in Mekka hat. Der Islam entstand als Religion der Araber; er überschritt aber schonbald die Grenzen der arabischen Welt. Zur Umma gehören alle Muslime in der ganzen Welt, ganz gleich aus welcher Nation, Ethnie oder Kultur sie kommen. Rassismus undNationalismus sind mit den Grundlagen des Islam unvereinbar. Wo der Islam dennoch als nationalistische Ideologie auftritt, erscheint die Religion von politischen Ideologienüberformt. Die Pluralität der religiösen Richtungen und Schulen widerspricht nicht dem Konzept der Umma; dass Muslime gegeneinander Krieg führen ist jedoch ein groberVerstoß dagegen, der im Unglauben und Ungehorsam gegenüber Gott gründet. 5.2 Scharia Die Scharia, das Gesetz oder das islamische Recht, stellt die Gesamtheit der auf die Handlungen des Menschen bezüglichen Vorschriften Gottes dar. Die wichtigsteGrundlage ist der Koran, der die zentralen rechtlichen Bestimmungen enthält, die das Leben in allen Bereichen regeln. Die zweite Grundlage ist die Sunna, die Wegweisungdes Propheten, die Art und Weise, wie Mohammed die Frühgemeinde auf den Wegen Gottes führte. Die Erzählungen davon bilden die Hadith. Ihre Zahl wuchs mit der Zeitins Unermessliche, so dass Kriterien formuliert werden mussten, welche Hadithe als vertrauenswürdig und verbindlich gelten können. Als weitere Quellen des Rechtsfungieren der Konsens der Rechtsgelehrten und der im Rahmen des vorhandenen Rechts mögliche Analogieschluss. Im Laufe der Zeit entwickelten sich vier Rechtsschulendes sunnitischen Islam und eine eigene Schule der Schiiten. Im 20. Jahrhundert wurde in vielen Staaten der islamischen Welt die Scharia teilweise durch eine westlich-europäisch geprägte Gesetzgebung ersetzt; in der Mitte desJahrhunderts setzte jedoch eine Gegenbewegung ein, die die Verwestlichung rückgängig machen will. 5.3 Jihad Zu den besonderen Pflichten der Muslime gehört auch der Jihad, der heilige Krieg, der manchmal als die sechste Säule des Islam bezeichnet wird. Der Begriff kanntatsächlich Krieg bedeuten, eigentlich aber bezeichnet er die Bemühung oder Anstrengung auf dem Weg Gottes oder für die Sache Gottes, unter Einsatz von Gut und Leben. 6 GESCHICHTLICHE FORMEN UND REICHE DES ISLAM 6.1 Sunniten und Schiiten Der Tod des Propheten im Jahr 632 stellte die junge Gemeinde vor schwere Probleme, die zum Bürgerkrieg und zur ersten großen Spaltung der Umma führten. Die erstenvier Nachfolger Mohammeds in der Leitung der Umma, die vier „rechtgeleiteten Kalifen”, waren alle Gefährten des Propheten gewesen. Erster Kalif wurde Abu Bakr, derVater von Mohammeds junger Frau Aischa. Auf ihn folgte Omar (634-644), der wie Abu Bakr zu den engsten Ratgebern Mohammeds gehört hatte. Er errang zweientscheidende Siege, die den Islam auf den Weg zur Weltmacht brachten: im Westen am syrischen Fluss Yarmuk gegen Byzanz und im Osten gegen Persien. Nach seinerErmordung durch einen Sklaven bestimmte ein Wahlgremium Othman aus dem Stamm der Omaijaden, einen Schwiegersohn Mohammeds, zum Nachfolger, wogegen Ali ibnAbi Talib – der Vetter Mohammeds und mit dessen jüngster Tochter Fatima verheiratet – Widerspruch erhob. Othman wurde 656 ermordet und Ali zu seinem Nachfolger(656-661). Ihn lehnte jedoch der Statthalter Syriens, der Omaijade Muawija ab; auch Aischa stellte sich gegen ihn. Es kam zum Bürgerkrieg, doch bevor eine Entscheidunggefallen war, wurde Ali 661 ermordet. Damit war der Weg frei für Muawija, der sich schon 660 zum Kalifen proklamiert hatte. Die Parteigänger Alis unterwarfen sich jedoch nicht, sondern bildeten die Schiat Ali, die Partei oder Gruppe Alis, und werden deshalb als Schiiten bezeichnet. Ihnen zufolgehat Mohammed kurz vor seinem Tod Ali in die inneren Geheimnisse des Glaubens eingeweiht und zu seinem Nachfolger bestimmt. Der Imam als Führer der Gläubigen undwahrer Interpret des Koran muss ein Nachkomme Alis sein. Wegen dieser besonderen Rolle des Imams werden die Schiiten auch Imamiten genannt. Der Tod von Alis SohnHusain bei Kerbela am 10. Muharram 680 besiegelte das politische Scheitern der Schia, sie wurde nun zu einer oppositionellen Partei mit religiös-mystischen Zügen. DieSafawiden machten sie 1502 in Persien zur Staatsreligion. Mit der Errichtung der Islamischen Republik Iran 1979 wurde die Schia zur offiziellen Religion. Heute sind etwa 10 Prozent der Muslime Schiiten, die übrigen 90 Prozent werden Sunniten genannt 6.2 Omaijaden und Abbasiden Muawija (661-680) machte seine Provinz Syrien zum Mittelpunkt der Umma und verlegte die Hauptstadt nach Damaskus. Indem er seinen Sohn Yazid noch zu Lebzeiten alsNachfolger einsetzte, beendete er die Praxis der Kalifenwahl und führte damit das dynastische Prinzip ein. Muawija starb 680; die von ihm begründete Dynastie derOmaijaden regierte bis 750. Unter den Omaijaden dehnte sich das Kalifenreich über ganz Nordafrika und bis nach Spanien und Südfrankreich aus. Erst Karl Martell setztedurch seinen Sieg bei Tours und Poitiers (732) dem weiteren Vordringen nach Europa ein Ende. Die Omaijaden wurden 750 von den Abbasiden gestürzt, die 763 ihreResidenz nach Bagdad verlegten und bis 1258 regierten. In Bagdad machte die arabische Vormachtstellung einem zunehmenden persischen Einfluss Platz, und der »

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